Ich wollte nicht alleine reisen. Bis ich merkte, dass ich sonst gar nicht reisen würde

Früher hätte ich nie gedacht, dass ich einmal alleine reisen würde.

Ganz im Gegenteil.

Ich fand Menschen, die alleine unterwegs waren, ehrlich gesagt irgendwie komisch.

Mit wem reden die den ganzen Tag? Mit wem teilen sie all die Erlebnisse? Ist das nicht unglaublich einsam?

Für mich gehörte Reisen immer dazu, Erinnerungen mit Freunden zu sammeln.

Und genau so habe ich es jahrelang gemacht.

Irgendwann merkte ich, dass wir unterschiedlich reisten

Mit der Zeit fiel mir auf, dass meine Freunde und ich völlig unterschiedliche Vorstellungen von Urlaub hatten. Viele wollten ausschlafen, entspannen, am Pool liegen oder einfach mal nichts tun. Ich dagegen bekam schon nach kurzer Zeit Hummel im Hintern.

Ich wollte früher los.

Durch kleine Gassen laufen.

Mit Einheimischen sprechen.

Versteckte Orte entdecken.

Etwas erleben, das ich später noch erzählen würde. Nicht, weil die anderen falsch reisten. Sondern weil ich einfach anders war. Immer öfter hatte ich das Gefühl, Kompromisse einzugehen. Und irgendwann stellte ich mir die Frage:

Wie viele Reisen verpasse ich eigentlich, nur weil ich darauf warte, dass jemand mitkommt?

Zwei Monate, die alles verändert haben

Zwischen zwei Jobs hatte ich plötzlich zwei Monate frei.

Für viele wäre das die perfekte Gelegenheit gewesen, einfach zu Hause zu bleiben und die Zeit zu geniessen.

Für mich kam das überhaupt nicht infrage.

Also stand ich vor einer Entscheidung.

Warte ich wieder darauf, dass jemand Zeit hat?

Oder mache ich es einfach alleine?

Ich entschied mich für Letzteres.

Und buchte eine Gruppenreise nach Hawaii.

Nicht, weil ich unbedingt eine Gruppenreise machen wollte.

Sondern weil sie sich wie der perfekte Einstieg anfühlte.

Zum ersten Mal war ich unter Menschen, die genauso reisten wie ich

Das Verrückteste an Hawaii waren gar nicht die Strände.

Es waren die Menschen.

Plötzlich war ich von Leuten umgeben, die genauso neugierig waren wie ich.

Egal ob Anfang zwanzig oder über sechzig.

Alle hatten diesen unstillbaren Drang, etwas zu erleben.

Niemand fragte:

“Müssen wir wirklich schon wieder los?”

Zum ersten Mal musste ich mich nicht erklären.

Nach der Gruppenreise reiste ich alleine weiter.

Und genau davor hatte ich vorher den grössten Respekt.

Ich war alleine. Aber nie einsam

Ich hatte immer gedacht, alleine reisen würde bedeuten, alleine zu sein.

Heute weiss ich, dass oft genau das Gegenteil passiert.

Im Hostel.

Auf Touren.

Im Café.

Oder einfach, weil jemand fragt:

“Kann ich mich zu dir setzen?”

Man kommt mit Menschen ins Gespräch, die man nie kennengelernt hätte, wenn man zu zweit oder in einer Gruppe unterwegs gewesen wäre.

Und genau dort habe ich verstanden, dass Solo-Reisen gar nicht bedeutet, alles alleine machen zu müssen.

Es bedeutet nur, dass niemand über deine Reise entscheidet – ausser dir.

Die wichtigste Erkenntnis

Heute reise ich immer noch gerne mit Freunden.

Aber ich warte nicht mehr darauf.

Nicht darauf, dass alle gleichzeitig Urlaub haben.

Nicht darauf, dass jemand dieselben Reisepläne hat.

Und nicht darauf, dass der perfekte Zeitpunkt kommt.

Denn manche Erinnerungen wären nie entstanden, wenn ich weiter gewartet hätte.

Manchmal braucht es nicht den perfekten Reisebegleiter.

Manchmal braucht es einfach nur den Mut, den ersten Schritt alleine zu machen.

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